Nach oben
Logo Dr. Rafał Noga · Soft-Sensor

Virtuelle Sensoren mit Prozesswissen

Soft-Sensoren kombinieren Systemwissen mit vorhandenen Messungen und liefern zuverlässige Schätzungen für Größen, die teuer, schwer zugänglich oder physisch unmöglich direkt zu messen sind.

Was sind Soft-Sensoren?

Ein Soft-Sensor — auch als virtueller Sensor bezeichnet — nutzt ein mathematisches Prozessmodell zusammen mit vorhandenen Messdaten, um eine Schätzung der gesuchten Größe zu berechnen. Im Gegensatz zu einem physikalischen Instrument benötigt ein Soft-Sensor oder virtueller Sensor keine zusätzliche Hardware — er läuft als Software auf dem vorhandenen Leitsystem und nutzt die bereits vorhandene Instrumentierung.

Soft-Sensor-Architektur: Systemwissen + Messungen → Schätzalgorithmus → virtueller Sensor-Ausgang
Soft-Sensor / virtueller Sensor — Systemwissen zu vorhandenen Messungen hinzufügen.

Lösungen für industrielle Messaufgaben

Messung zu teuer

Problem

Analysatoren für Qualität, Viskosität oder Zusammensetzung kosten 50.000–500.000 € und werden von mehreren Strömen gemeinsam genutzt — nur periodische Proben, keine kontinuierlichen Daten.

Lösung

Ein Soft-Sensor liefert kontinuierliche Schätzungen zwischen Analysatorproben und ermöglicht engere Echtzeit-Regelung.

Instrumentierung nicht installierbar

Problem

Durchflussmesser an Ventilpositionen, Wärmelasten in kryogenen Kreisläufen oder Drehmomentwerte in abgedichteten Antrieben können nicht instrumentiert werden.

Lösung

Ein Soft-Sensor berechnet die Größe aus korrelierten Messungen, die bereits im System vorhanden sind.

Keine direkte Messung möglich

Problem

Größen wie Polymer-Schmelzindex, Zellkonzentration oder Katalysatoraktivität haben keine Echtzeit-Inline-Sensorik.

Lösung

Ein Soft-Sensor schließt diese Größen aus messbaren Proxys — Temperatur, Druck, Durchfluss, Spektroskopie — unter Verwendung von Erst-Prinzipien- oder datengetriebenen Modellen.

Sensorausfall und Redundanz

Problem

Kritische Messungen fallen beim Anfahren, bei Störungen oder durch Verschmutzung aus. Ein einzelner Ausfallpunkt in einem sicherheitskritischen Regelkreis ist nicht tolerierbar.

Lösung

Ein Soft-Sensor fusioniert redundante Messungen mehrerer Instrumente zu einer fehlertoleranten Schätzung, die auch bei Ausfall einzelner Sensoren gültig bleibt.

Messgenauigkeit

Problem

Zwei Instrumente, die dieselbe Größe messen, haben oft komplementäre Genauigkeitsprofile — eines schnell aber verrauscht, das andere langsam aber präzise.

Lösung

Ein Soft-Sensor fusioniert beide Signale mit optimaler Schätztheorie zu einer Schätzung, die gleichzeitig schnell, präzise und driftfrei ist.

Technologie

Messungen

Der genaue Sensorbedarf wird fallweise bestimmt. In den meisten Fällen ist die vorhandene Instrumentierung ausreichend — keine neue Hardware erforderlich.

Modelle

Modelle kodieren das Systemwissen, das der Soft-Sensor nutzt. Die Komplexität reicht von einfachen empirischen Korrelationen bis zu vollständigen thermodynamisch-hydraulischen oder kinetischen Dynamikmodellen. Wir sind auf First-Principles-Modellierung für Prozessindustrie und Luftfahrtanwendungen spezialisiert.

Schätzalgorithmen

Von linearen Beobachtern (Luenberger, Kalman-Filter) bis zu nichtlinearen Algorithmen (Erweiterter Kalman-Filter, Unscented Kalman-Filter, Moving-Horizon-Schätzung). Die Wahl hängt vom Grad der Nichtlinearität, der verfügbaren Rechenleistung und der erforderlichen Genauigkeit ab.

Gemessene Ergebnisse

Soft-Sensor / Virtueller Sensor vs. Physikalisches Instrument

Ein direkter Vergleich für Beschaffungs- und Machbarkeitsentscheidungen.

MerkmalPhysikalisches InstrumentSoft-Sensor / Virtueller Sensor
Anschaffungskosten 50.000–500.000 € pro Instrument Nur Software — läuft auf vorhandenem DCS/SPS
Installation Wochen bis Monate (Bauarbeiten, Kabel) Tage bis Wochen (Modellintegration)
Wartung Kalibrierungsabschaltungen, Verschmutzung Modellaktualisierung — keine Prozessausfallzeit
Abdeckung Ein physikalischer Messpunkt pro Gerät Jede vom Modell erreichbare Variable
Datenrate Periodisch (Analysator: 1–2 h) oder Einzelpunkt Kontinuierlich, synchron mit Regelzyklus
Ausfallmodus Harter Ausfall — Regelkreis offen Schrittweiser Abbau — modellbasierter Rückfall

Produkte

Advanced Virtual Flow Meter

Softwarebasierte Durchflussberechnung an Ventilpositionen aus Ventilstellung, Druck- und Temperaturmessungen — kein physisches Durchflussmessgerät erforderlich.

Mehr erfahren

Digital Variometer SSDV12

Hochpräziser Steig-/Sinkratensensor für Gleitschirmflieger durch Soft-Sensor-Datenfusion aus Druck-, Trägheits- und GPS-Messungen.

Mehr erfahren

Referenzen

Ausgewählte Publikationen

Peer-reviewed Forschung zu Soft-Sensor- und virtuellen Sensormethoden in industriellen und wissenschaftlichen Projekten.

Vollständige Publikationsliste auf noga.es →

Häufig gestellte Fragen

Was ist ein Soft-Sensor / virtueller Sensor?

Ein Soft-Sensor ist ein Softwaremodell, das Schätzungen schwer messbarer Prozessgrößen aus vorhandener Instrumentierung berechnet. Keine neue Hardware erforderlich — er läuft auf Ihrem vorhandenen Leitsystem oder SPS.

Muss ich neue Sensoren installieren?

In den meisten Fällen nein. Der Soft-Sensor nutzt bereits vorhandene Messungen im Leitsystem. Die genauen Anforderungen werden fallweise bewertet.

Wie genau sind Soft-Sensoren?

Bei gut instrumentierten Prozessen mit einem guten First-Principles-Modell sind Schätzfehler von 1–5 % typisch. Die CERN-LHC-Kryo-Anwendung schätzte 5 thermodynamische Zustände aus 3 Drucksensoren.

Wie lange dauert ein Projekt?

Typischerweise 4–12 Wochen vom Kickoff bis zur Inbetriebnahme, abhängig von der Modellkomplexität und Datenverfügbarkeit. Ein 30-minütiges Erstgespräch reicht zur Bewertung.

Auf dem Laufenden bleiben

Gelegentliche Updates zu Soft-Sensor-Methoden, Fallstudien und neuen Produkten. Kein Spam.

Messaufgabe besprechen

Jedes Soft-Sensor-Projekt beginnt mit dem Verständnis Ihres Prozesses, Ihrer Instrumentierung und der zu messenden Größe. Ein 30-minütiges Gespräch reicht für eine Machbarkeitsbewertung.

📅 30-min Gespräch buchen Kontakt MPC schließt den Regelkreis auf Basis virtueller Sensorschätzungen →

Über uns

Soft-Sensor ist eine spezialisierte Ingenieursdienstleistung unter der Leitung von Dr. Rafał Noga — APC/MPC-Berater mit Erfahrung in Soft-Sensor- und Zustandsschätzung für Prozessindustrie, Kryotechnik und Luftfahrt seit 2007.

→ Hauptseite: noga.es